09.10.2026
7 Minuten
Selbstführung
Es gibt Menschen, die vergisst du nicht. Manchmal war es nur eine flüchtige Begegnung, ein Satz, ein Blick, eine Art, im Raum zu sein. Manchmal ist es ein Mensch, der dein ganzes Leben geprägt hat. Ich nenne sie Leuchtturm-Menschen. Sie lösen eine tiefe Resonanz in dir aus und schenken dir eine Erfahrung, die du nicht mehr entbehren möchtest.
Ich weiß, wie es ist, ohne sie zu sein. Als Kind gab es eine Zeit, in der ich keine Leuchtturm-Menschen mehr in der Welt sah. Und das Leuchtfeuer in mir selbst konnte ich noch nicht entzünden. Vielleicht berührt mich das Thema deshalb so sehr. Denn wenn du einmal weißt, wie dunkel es ohne Licht sein kann, dann erkennst du jeden Lichtstrahl.
Weil sie etwas in dir ansprechen, das bisher keinen Widerhall gefunden hat. Leuchtturm-Menschen wirken wie Vorbilder für einen Wert oder eine Lebenshaltung. Aber ihre Wirkung ist so eindringlich, weil sie einen Teil deines eigenen Selbst beleuchten, der im Außen bisher keinen Spiegel hatte. Vielleicht wusstest du gar nicht, dass es ihn in dir gibt. Oder dir war nicht bewusst, wie viel er dir bedeutet.
Ich stelle mir das so vor: In dir gibt es eine geheime Schatzkammer. Dort hat dein Überlebens-Ich deine Seelenfunken sicher aufbewahrt, so sicher, dass du selbst den Weg dorthin vergessen hast. Leuchtturm-Menschen schaffen es, durch dieses Überlebens-Ich hindurchzudringen und mit ihrem Lichtstrahl genau diese Schatzkammer zu berühren. Es ist wie ein Morsezeichen an deine Seele. Du wirst wachgerufen und an etwas erinnert, das zu dir gehört und wieder zu dir zurück will.
Ich mag dazu ein Bild aus der Seefahrt. Jeder Leuchtturm hat seine eigene Kennung, einen ganz bestimmten Rhythmus aus Licht und Dunkel, an dem Seeleute ihn nachts erkennen. Kein Leuchtfeuer blinkt wie das andere. Genauso ist es mit den Menschen, die dich berühren. Ihr Licht blinkt in einem Rhythmus, den dein eigenes Licht kennt.
Auch die Forschung hat sich damit beschäftigt. Die Psychologinnen und Psychologen Sara Algoe und Jonathan Haidt haben 2009 untersucht, was in uns passiert, wenn wir Menschen erleben, die etwas Gutes oder Großes tun. Wir fühlen uns warm und offen, manchmal richtig erhoben. Und wir bekommen Lust, selbst so zu werden. Bewunderung ist also mehr als ein schönes Gefühl. Sie ist ein innerer Ruf.
Mein wichtigster Leuchtturm-Mensch ist mein Opa Heinz. Von ihm habe ich zwei Sätze, die ich selbst leben will: Ich will so leben, dass ich so sterben kann. Und: Sage, was du meinst, und meine, was du sagst. Leuchtturm-Menschen sind nicht perfekt, und auch mein Opa war nicht fehlerfrei. Aber er hat mein Leben auf eine Weise geprägt, für die ich bis heute zutiefst dankbar bin.
Meine Freundin Katrin schenkt mir inhaltlichen Tiefgang im Wechsel mit einem unbändigen Lachen über uns selbst. Manchmal ist es so komisch zu merken, was dem Kopf längst klar ist und im echten Leben noch keine Umsetzung findet. Mit ihr geht das hervorragend. Meine Freundin Klaudia und ich teilen Ausdauer und Fokus, Lebensfreude und das, was ich Sisterhood nenne.
Als ich die drei nebeneinander gelegt habe, ist mir etwas aufgefallen. Sie haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind aufrichtig und ehrlich zu mir und an meiner Entwicklung interessiert. Dafür konfrontieren sie mich auch, und das ist nicht immer bequem. Aber genau deshalb habe ich sie so in mein Leben gelassen, und genau deshalb sind sie, was sie für mich sind.
Indem du sie nicht nur bewunderst. Wenn du eine Eigenschaft nur bei anderen wahrnimmst, scheint sie nicht zu dir zu gehören. Dabei hat sie nur deshalb diese tiefe Resonanz, weil sie eine Facette deines Selbst ist. Deine Leuchtturm-Menschen verlieren dadurch nichts, sie bleiben, was sie sind. Aber sie bieten dir die Chance, dich mit diesem Teil von dir zu verbinden. Du sammelst dich damit selbst wieder ein und wirst vollständiger.
Und dann passiert etwas, das ich immer wieder erlebe. Wenn deine Seele wieder Atem bekommt, ist es wie ein Feuerfunke, der Luft bekommt. Du trägst den Wert, den du wiederentdeckt hast, mit dir. Bringst du zum Beispiel Freiheit in dir mit, dann schwingt sie so in dir und um dich, dass die Menschen anfangen, über Freiheit zu sprechen, wenn du einen Raum betrittst. Ich gehe davon aus, dass du das im Kleinen kennst: Was dich gerade stark beschäftigt, scheint plötzlich auch viele um dich herum zu beschäftigen.
Nimm dir ein schönes Notizbuch und eine halbe Stunde Zeit. Heb deinen Blick für einen Moment zum Horizont, atme dreimal tief ein und seufze lang mit der Ausatmung.
Wer sind deine Leuchtturm-Menschen? Schreib so viele auf, wie dir einfallen. Lebende und verstorbene, nahe und flüchtige Begegnungen. Die Arbeit lohnt sich.
Was geben sie dir? Schreib zu jedem die Eigenschaften oder Werte auf, die dich berühren. Weniger, was sie erreicht haben, eher, wie sie sind. Und schau, ob es Gemeinsamkeiten gibt. Die sind noch näher an deinem Seelenfunken.
Was willst du selbst mehr leben? Such dir eine Qualität aus, die dich ganz besonders anzieht. Welche Handlung oder Gewohnheit würde ihr in deinem Leben mehr Raum geben? Nimm dir nicht zu viel vor. Finde eine Form, bei der es vor Freude in dir gluckst. Und dann trag dir gleich einen Termin dafür in den Kalender ein. Solche Termine sind wie Erinnerungsoasen an deine innere Schatzkammer.
Wenn du magst, frag auch deine Freundinnen nach ihren Leuchtturm-Menschen. Was hat sie inspiriert? Je mehr du darüber sprichst, desto mehr landet es in dir.
Was sind Leuchtturm-Menschen? Menschen, die eine tiefe Resonanz in dir auslösen und dir eine Erfahrung schenken, die du nicht mehr missen möchtest. Das kann ein Mensch aus deiner Familie sein, eine Lehrerin, eine Freundin oder jemand, dem du nur einmal begegnet bist.
Warum bewundere ich manche Menschen so sehr? Weil sie einen Teil von dir beleuchten, der bisher keinen Spiegel hatte. Was dich an ihnen so berührt, ist fast immer eine Facette deines eigenen Selbst, die mehr Ausdruck in deinem Leben bekommen möchte.
Müssen Leuchtturm-Menschen perfekt sein? Nein. Leuchtturm-Menschen sind nicht fehlerfrei. Es geht um die Anteile, die sie in dein Leben gebracht haben und die du selbst gern leben möchtest.
Wie werde ich selbst ein Leuchtturm-Mensch? Indem du dein eigenes Leben lebst und verwirklichst. Du musst dafür nichts Besonderes darstellen. Wer im Kontakt mit sich selbst ist und hier und jetzt verfügbar, wird für andere zum Licht, oft ohne es zu merken.
Am Ende bist du ein Leuchtturm-Mensch für andere Menschen, und zwar allein dadurch, dass du dein gelingendes Leben lebst und verwirklichst. Wenn du spürst, dass du dieses Licht auch bewusst für andere halten willst, dann schau dir meine Kundalini-Yoga-Ausbildung an. Und wenn du erst einmal selbst wieder in deine Haltung finden willst: Am 14. und 15. November lade ich dich zu ALIGN DICH, dem Selbstführungs-Wochenende, nach Berlin ein.
Zum Ankommen gibt es das kostenlose Nervensystem-Set, und jeden Mittwoch um 20 Uhr unterrichte ich live.
Du wirst und bist ein Leuchtturm-Mensch, weil du du bist.
Sei dein eigener Gamechanger.
Herzlich
Sohan
Foto: Grit Siwonia
Lesezeit: 6 min
Vertiefe deine Reise und entfalte dein volles Potenzial. Wähle den Weg, der am besten zu deinen Bedürfnissen passt: